Darum scheitert man (meist) mit Japanisch- und Chinesisch-Volkshochschulkursen

Manche Leser dieses Blogs haben sich vielleicht schon selbst einmal mit einer asiatischen Sprache gequält und stellen sie die Frage, welche Methode sich zum Erlernen einer exotischen Fremdsprache am besten eignet. Da ich mich momentan mit Chinesisch wieder auf das frustrierende Anfängerniveau begeben habe und mich täglich mit neuen Vokabeln herumschlage, auf der anderen Seite aber genau beobachten kann, welche Lernmethoden bei mir die besten Fortschritte erzielen, wollte ich einmal zu diesem Thema ein paar Zeilen schreiben.

Die beste und von Experten empfohlene Methode zum Erlernen einer asiatischen Fremdsprache ist es, als Kind einer asiatischen Familie im entsprechenden Land aufzuwachsen. 😀 Aber Scherz beiseite. Sollte man für Methode 1 ein paar Jahrzehnte zu spät dran sein, bleibt nur noch Methode 2: maximum exposure. Zur Bewältigung einer Fremdsprache auf Fortgeschrittenniveau benötigt man angeblich 3000 Stunden Unterricht. Diese Zahl kann man meiner Erfahrung nach für Europäer beim Erlernen einer asiatischen Sprache locker verdoppeln oder verdreifachen, weil im Gegensatz zu anderen westlichen Sprache meist alle Eselsbrücken und Ähnlichkeiten in der Grammatik fehlen, was dem Lerntempo nicht gerade zuträglich ist. Ach ja, und mehrere tausend Zeichen müssen auch noch gebüffelt werden… 😉 Wenn man also Pi mal Daumen davon ausgeht, ca. 6000 Stunden Kontakt zur Sprache zu benötigten, versteht man schnell, warum die große Mehrheit der Deutschen, die in einem Volkshochschulkurs Chinesisch oder Japanisch lernen, letztendlich scheitern. Geht man von 2 Stunden Unterricht plus 1 Stunde Hausaufgaben pro Woche aus, kommt man damit pro Jahr – wohlgemerkt mit Durchlernen ohne Urlaub – auf nur schlappe 150 Stunden. Bei diesem Tempo müsste man 40 Jahre zur Volkshochschule pilgern, um endlich die 6000 Stunden zu erreichen!

Der einzigste erfolgsversprechende Weg ist es also, möglichst viele Stunden die Sprache „pur“ zu lesen, hören und zu sprechen. Für mich hat sich folgende Methode bewehrt: die ersten Monate sollten damit verbracht werden, einen Grundwortschatz von ca. 2000 Wörtern aufzubauen. Damit ist man fähig, einfache Gedanken und Zusammenhänge auszudrücken, wenn natürlich noch mit vielen Fehlern. Anschließend kommt der wichtigste Schritt: man freunde sich mit ein paar Muttersprachlern an, die allerdings – und das ist der ausschlaggebende Punkt – weder Deutsch noch Englisch beherrschen. Dadurch ist man nämlich gezwungen, die Sprache tatsächlich zu sprechen und kann nicht alle 5 Sekunden auf ein Wort in einer europäischen Sprache ausweichen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle meine japanischen und chinesischen „Opfer“, die mir tage- und wochenlang zuhör(t)en, wie ich ihre schöne Sprachen akustisch und grammatikalisch vergewaltige und trotzdem mit Engelsgeduld verbessern und loben! Selbstverständlich ist der Lernerfolg stets schneller, falls man tatsächlich im Land selbst lebt, da man dort von morgens bis abends mit der Fremdsprache umgeben ist. Andererseits gibt es auch massenhaft Westler, die schon seit Jahrzehnten in Asien leben und es nie geschafft haben, sich flüssig auf Japanisch oder Chinesisch zu unterhalten. Letztendlich kommt es darauf an, sich für die erwähnten 6000 Stunden ein asiatisches Umfeld zu schaffen, sei dies durch Kontakt zu Freunden, Filme, Bücher oder sonstige Medien. Die Arbeit ruft mich jetzt, aber die nächsten Tage werde ich noch ein paar weitere Tipps zum Japanisch- und Chinesischlernen posten. Würde mich ausgesprochen interessieren, was für euch die größten Herausforderungen beim Sprachenlernen sind!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Dariojin
    Mai 21, 2011 @ 22:19:57

    Der Grund des Scheiterns von Sprachkursen an Volkshochschulen sind NICHT die “ nur 2 Stunden Unterricht pro Woche“ sondern Die Tatsache, dass die meisten Schüler außer den Hausaufgaben in der Woche NICHTS an bzw. mit der zu lernenden Sprache machen. Ich behaupte, 5 Minuten täglich üben ist effektiver als 2 Stunden 1 mal pro Woche. Warum man sich freiwillig in die VHS schleppt wenn man offenbar so wenig Motivation hat erschliesst sich mir nicht.
    Wer wirklich gut werden will sollte sich individuell ein Programm zusammenstellen mit den Bereichen:
    Vokabular und Schriftzeichen
    Grammatik
    Lesen Lesen Lesen, alles was man bekommen kann !!!
    Hören und Sehen, z.B. Lieblingsmusik, Anime, Filme e.t.c.

    Das gesamte Material kann man zum Teil kostenlos im Web bekommen.

    Ich selber habe zahlreiche Apps auf meinem Ipod zu allen oben genannten Themen.
    Auf der Uni habe ich mich als Gasthörer in einem Konversationskurs und in einem Kurs „Allgemeines Japanisch für Fortgeschrittene“ eingeschrieben.
    In letzterem lesen wir gerade „Kokoro“ von Natsume Soseki.
    Das alles macht mir ungeheuren Spaß und bringt mich ständig weiter.

    Antwort

  2. Bloomsbury
    Mai 25, 2011 @ 20:40:47

    Ich wette, die Chinesen machen das absichtlich so, damit niemand sie versteht.
    Deshalb haben sie auch so lange gehungert (haha – schlechter Scherz!)

    Liebe Grüße, Bloomsbury

    Antwort

  3. Maryblue
    Mai 26, 2011 @ 19:01:57

    Hallo,
    ich studiere Japanologie an der Uni und finde das Erlernen der Kanji mitunter am schwierigsten. Nach und nach ähneln sich viele Kanji einfach so sehr und ihre Schreibweise wird komplizierter, sodass ich ziemlich schnell den Überblick verliere…
    Meistens kann ich die Kanji zwar lesen und dann auch ihre Strichreihenfolge erraten, aber wenn ich selbst einen Text schreiben muss, bleibe ich öfters bei den Kanji hängen und weiche auf Hiragana aus 😉

    Den raschen Lerneffekt durch ein japanisches Umfeld kann ich durchaus bestätigen (Tandem-Partner, mal nach Japan fahren, andere Aktivitäten wie Filmfest oder andere kulturelle Veranstaltungen, etc.). Und ansonsten eben einfach drauf losreden und die Fehler verflüchtigen sich irgendwann auch 🙂

    Antwort

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