Deutsch-japanische Gerüchteküche

Als ich mit einem meiner japanischen Kollegen einmal Italienisch essen gegangen bin, habe ich nicht schlecht gestaunt, wie er seine Gabel benutzte: und zwar türmte er kunstvoll das Essen auf die nach oben gewölbte Seite der Gabel und balancierte das Ganze dann in den Mund. In etwa so:

Als ich ihn darauf ansprach, erklärte er mir, dass man ihm früher dies als die korrekte Essweise im Westen beigebracht habe und er es sich eben seitdem so angewöhnte… Ich würde gerne wissen, wer sich da mit ihm einen Scherz erlaubt hat oder ob es tatsächlich ein Land gibt, in dem es sollte Sitten gibt. 😉

Weitere merkwürdige Gerüchte über die deutsche Kultur kursieren übrigens bei in Deutschland lebenden Japanern, beispielsweise in der recht geschlossenen Japan-Community in Düsseldorf. Hier eine Auswahl der tollsten Geschichten, die mir über die Jahre zu Ohren gekommen sind:

– Das deutsche Leitungswasser sollte man nicht trinken, sonst fallen einem die Haare aus (wie viele ältere deutsche Männer mit schütterem Haar beweisen!)

– Die deutschen Frauen müssen alle den ganzen Tag über arbeiten und dürfen nicht wie die japanischen zu Hause bleiben, deshalb werden ihre Hüften vom vielen Sitzen im Büro über die Jahre breit.

Und hier mein absoluter Favorit:

– Die deutschen Frauen sind alle so gemein zu ihren Männern, dass viele dies nicht aushalten und gezwungenerweise schwul werden.

Das sind doch mal wirklich neue Erkenntnisse über die deutsche Kultur, nicht wahr? 😀 Es würde mich übrigens interessieren, welche lustigen Gerüchte über ihr Land meinen japanischen Lesern im Ausland aufgefallen sind. 日本人の皆さん、如何でしょうか。外国で日本文化について面白い噂を聞いたことがあれば、是非コメント御願いします!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Higanbana
    Aug 20, 2010 @ 05:19:36

    Das mit der Gabel ist wohl ganz alt und hat sich in der Meijizeit eingebuergert und bei einigen doch wohl noch gehalten. Vielleicht solltest du ihm mal Ariel, die Meerjungfrau zeigen und daraufhin weisen, dass man sich damit auch gut die Haare kaemmen kann. Uebrigens laut einem Buch, was ich mal hatte, soll da auch ein Unterschied sein, wie Amieuropaeer und Japaner von Loeffeln essen. Erstere essen von Vorne und letztere schluerfen von der Seite. Mir ist das jetzt persoenlich noch nicht so aufgefallen, aber es kann durchaus auch aus der gleichen Zeit stammen.

    Was mich bei der Japanerin, die ich in Deutschland mal aufgenommen hatte, uebelst ueberrascht hatte, war, dass sie mit ihren dreckigen Schuhen in der 1. Haelfte vom Maerz wirklich so in meine frisch geputzte Wohnung stampfen wollte und ich sie erst einmal zurueckpfeifen musste. Sie wirkte sichtlich verwirrt, und ich war es auch, weil in jedem Reisefuehrer, egal wie billig, steht, dass Japaner IMMER ihre Schuhe ausziehen. Ich habe mal ein bisschen im Bekanntenkreis rumgeforscht, und mir ist gesagt worden, dass in Amerika (oder besser in amerikanischen Filmen) AMIEUROPAER ja nie ihre Schule ausziehen wuerden. Unter US-Austauschschuelern mal nachgefragt, stimmt das nicht einmal so pauschal: manche machen es, manche nicht und manche nur bei schlechtem Wetter.

    Desweiteren wird Japanern ja auch von der Muttermilch angefloesst, extrem in Kaesten zu denken. Apropos Oita, Kabosu-limonen, Dangojiru-Eintopf, Fuguleber und Onsen. Apropos Wakayama, Ume, Umeboshi, Mikan-orangen und Walfang. Und das gleiche Denkmuster wenden sie auch aufs Ausland an und koennen nie wirklich verstehen, dass zwischen Muenchen und Muenster ein groesserer Unterschied in Esskultur und Mentalitaet als zwischen Muenster und der Niederlande auf der anderen Seite ist. Es ist doch ein Land, wie kann das? Und im gleichen Atemzug kommt dann wieder Apropos Deutsche, Bier und Wurst, nicht wahr? Als ob Japaner staendig nur Sushi essen oder es Bier und Wurst in anderen Laendern nicht gibt…

    Vielen Dank noch einmal fuer deinen interessanten Blog

    Antwort

  2. Heydal
    Aug 21, 2010 @ 14:23:32

    @ Higanbana

    Das mit dem Esslöffel ist ein interessanter Punkt. Die Gründe warum in einigen Länder der Löffel von vorne in den Mund geführt wird, und bei anderen von der Seite sind nicht ganz klar. Und selbst der Knigge ist da nicht eindeutig. Allgemein scheint es so dass man beim seitlichen löffeln tendenziell eher schlürft was bei uns ja verpönt ist, wohingegen man beim löffeln mit der Spitze, den Mund weiter öffnen muss, wass in asiatischem Kulturkreis eher verpönt ist. Aber ein einheitliches Bild gibt es in dieser Angelegenheit nicht. Faszinierend. Ich finde diese Alltäglichkeiten, und wie sie sich in verschiedenen Kulturkreisen unterscheiden, etwas vom spannendsten überhaupt.

    Antwort

  3. Higanbana
    Aug 21, 2010 @ 23:18:16

    Ich hatte mir mal aus Interesse 3 Buecher „Kultur im Ausland“ gekauft. Zumindest bei dem einen weiss ich den Titel noch: „Difficult questions for the Japanese“ (zweisprachig gehalten, eine Seite Japanisch, die andere Englisch).

    Und eine Sache, die mich jedes Mal dabei aufstoesst, ist die Sache mit dem Waescheaufhaengen. Dort wird z.B. gefragt, warum denn die Japaner ihre Waesche draussen aufhaengen. Sprich, Auslaender empfaenden das als komisch. Und die gleiche Sache wurde auch in den anderen Buechern mit „Es sei ja JOUSHIKI (common knowledge), dass Auslaender nie ihre Waesche draussen aufhaengen wuerden, was ziemlich schade/idiotisch/etc. sei, weil es doch so viel besser und billiger sei.“ Da frage ich mich, mit wie viel Kraftanstrengung Japaner konsequent draussen aufgehaengte Waesche in Europa uebersehen. Ich bin zugegebenerweise immer wieder ueberrascht, wie stark hier die kulturelle Konditionierung in Japan ist: Es wird erzaehlt, das gibt es nicht, also wird es konsequent uebersehen oder als seltene Ausnahmefaelle interpretiert und mit Gewalt in das bestehende Weltbild gepresst.

    Das mit dem seitlich Loeffeln in Japan koennte ich mir so auf Anhieb eigentlich nur mit dem RENGE, diesen dicken, traditionellen Loeffeln erklaeren. Die sind so gross, dass es doch oft schwierig ist, sie von vorne in den Mund einzufuehren und daher eigentlich nur von der Seite her ausgeschluerft werden koennen. Und so wurde die Essweise auf die westlichen Loeffel uebertragen, so wie ich anfaenglich auch aus den japanischen Teebechern wie auch einem normalen Wasserglas getrunken habe (die Form ist aehnlich), bis ich mal ziemlich am Anfang daraufhin gewiesen wurde, dass das fuer Frauen extrem schlechte Manieren seien.

    Ach ja, und als ich mal eine Englischklasse von einem Bekannten uebernommen hatte, ist mir allen Ernstes gesagt worden, wie neidisch man sei, dass alle Deutschen (oder war’s sogar alle Europaeer) zwischen Weihnachten und Neujahr 2 Wochen Ferien haetten. Ich war sprachlos, bis ich sie dann aufklaerte, dass man das nur haette, wenn mal seinen Jahresurlaub dafuer verwenden wuerde und es nicht wie in der Schule automatisch sei.

    Und es kommt auch immer wieder das „Deutschland ist ja (so sibirienmaessig) kalt.“ Klar es liegt auch genau so hoch im Norden. Aber obwohl die Japaner ihre eigene warme Meeresstroemung haben, koennen sie sich nicht wirklich vorstellen, dass diese Europa aufwaermen koennte. Ich habe in all den Jahren in Japan nur einen Japaner getroffen, der das gleiche gesagt hat wie ich: Der Winter in Schweden ist warm. Klar, es ist kalt, wenn man rausgeht, aber dafuer ist es in der Wohnung kuschelig warm. Wogegen ich die Winter hier im Sueden Japans als unangenehm kalt empfinde, weil man eben ueberall, ob nur Wohnung oder draussen oder Schule/Uni kaum mehr als 8 Grad hat. Und nachts wird’s noch kaelter, manchmal bis -1 Grad. Ja, und da man hier auch nur die Wahl zwischen Klimaanlage oder offenem Leichtoelofen hat, kann man auch nicht wie in Deutschland die Heizung die ganze Nacht anmachen. Und es gab so einige Tage in meinem Leben, wo ich aufgewacht bin und meinen eigenen Atem im Bett sehen konnte.

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