Was uns der japanische Wetterbericht verschweigt

Zwar bin ich ein großer Sommerfan, doch selbst ich muss zugeben, dass ich mich über die Abkühlung auf „kühle“ 26 Grad und den bedeckten Himmel heute in Tokyo freue. Wir hatten nämlich in den letzten Wochen eine richtige Affenhitze, wie ich sie glaube bisher noch nie (okay, mal abgesehen von Taipei im Hochsommer, wo ich in einem Zimmer ohne Klimaanlage wohnte…) erlebt habe. Im Gegensatz zu Deutschland sind in Japan die Sommer extrem schwül und die Luft scheint eine schon fast suppige Konsistenz anzunehmen. Es dauert dann geschätzte 0.1 Sekunde, wenn man von der gekühlten Wohnung auf die Straße tritt, bis man von oben bis unten buchstäblich klitschenass geschwitzt ist.

Sommertipp für Japanaufenthalte: Jede Kleidungsfarbe vermeiden, auf der sich Schweißflecken abzeichnen können (hellblau, grau etc.). Leider sind sich unsere ausländischen Gäste dieser Tatsache oft nicht bewußt und erscheinen gefleckt wie die Milka-Kuh im Office, während die Japaner ausnahmslos in blütenweißen Hemden dasitzen. Böse Zungen behaupten, auch schwarz sei für Vielschwitzer nicht empfehlenswert, da sich dann unter Umständen die Salzränder abzeichnen.  

Aber zurück zum Thema: der japanische Wetterbericht verkündigte die letzten Wochen regelmäßig Hitze um die 35 Grad, wobei sich die tatsächliche Temperatur noch um einiges höher anfühlte. Zufälligerweise fand heraus, dass ich mit meinem individuellen Empfinden gar nicht so daneben liege: was uns nämlich der japanische Wetterbericht verschweigt ist die Tatsache, dass es tatsächlich um einiges heißer ist. Und zwar werden die offiziellen Temperaturen entsprechend des japanischen Standards über einer schattigen Rasenfläche gemessen, die – wie jeder Tokyoter bestätigen kann – nicht unbedingt den repräsentativsten Untergrund für das Stadtgebiet darstellt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Da sich die Betonwüste im Laufe des Tages so richtig aufheizt, kann man gut und gerne davon ausgehen, dass wir  uns bei locker 40 Grad gezwungen fühlen, auf so scheußliche Getränke wie „Aisu koohii“ (sprich: Eiskaffee = Kaffee und Eiswürfel) umzusteigen. Diese Woche soll es weiter schwül-heiß bleiben, aber zumindest bekommen wir ab morgen ein paar Tage „Obon-Sommerferien“, an denen ganz Japan kollektiv Urlaub macht und sich die Fluggesellschaften über eine Verdreifachung der Ticketpreise freuen. Ich werde wohl im Lande bleiben und tapfer versuchen, der Sommerhitze am japanischen Strand zu trotzen… 🙂

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6 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Dariojin
    Aug 10, 2010 @ 07:08:45

    Wo sind denn die nächsten Strände von Tokyo aus ?
    Trinkt man nicht kalten grünen Tee ( der Name fällt mir jetzt nicht ein ) ?

    Antwort

  2. Sarah
    Aug 10, 2010 @ 07:55:04

    Hey!
    Bin durch Zufall auf dein Blog gestoßen und habe es sogar bis zum 1. Eintrag gelesen 😀 (Muss ja wissen was dir da drüben so passiert :D)..
    Bin seitdem ich klein bin an Japan interessiert und nächstes Jahr fliege ich erstmals für 2-3 Wochen dorthin.
    Wenn es mir gefällt, möchte ich vllt. ein Praktikum oder ein Auslandssemester dort machen!
    Ich fänd’s schön, wenn wir uns via Email etwas über Japan etc. unterhalten könnten :3
    Wenn du magst, schreib mir einfach!

    Viele liebe Grüße,
    Sarah

    P.S. in den letzten Jahren ist der Sommer leider auch hier immer schwüler und heisser. Heute ist es aber auch bewölkt 🙂

    Antwort

  3. obi
    Aug 10, 2010 @ 08:04:39

    Ich hab bei mir immer so eine kleine Wetterstation stehen welche mir die Temperatur etc. anzeigt, damit ist man immer auf der richtigen Seite wenn man es genau Wissen möchte.

    In meinem Urlaub in Polen war das Wetter leider auch nicht schlechter, 46 Grad in der Sonne sind nicht so Pralle wenn man weit und breit kein Schatten hat :<

    Antwort

  4. Michael
    Aug 10, 2010 @ 14:02:57

    Huestel,
    dat is in Deutschland/international nicht anders:
    „In der Meteorologie wird die Lufttemperatur in einer Höhe von zwei Meter gemessen, wofür die klassischen, weiß gestrichenen Wetterhütten (Thermometerhütten) in freier Umgebung dienen.“
    Und die freie Flaeche ist, wenn moeglich, eine Park/Rasenflaeche.

    Antwort

  5. Kerstin Moehle
    Aug 12, 2010 @ 05:56:46

    …im Ernst?! Es wird über einer schattigen Rasenfläche gemessen? Da brauch ich mich nicht wundern, dass es sich eigentlich viiieeeel heißer anfühlt. Und ich habe es immer auf die hohe Luftfeuchtigkeit geschoben, dass es sich mindestens 5°C mehr anfühlt… Wieder was dazu gelernt! 😉

    Antwort

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