Neujahreskarten

Unglaublich!!! Morgen schon Weihnachten??

Tja, die Zeit verfliegt und ich habe heute unseren freien Tag in erster Linie dazu genutzt japanische Neujahreskarten zu schreiben. Man muss dazu wissen, dass es hier den Brauch gibt allen Leuten, die man kennt, zum 01.01. eine Karte zu schreiben. Die japanische Post ist dann so freundlich, diese Karten – sollten sie irgendwann im Dezember losgeschickt werden – bis zum Anfang des neuen Jahres aufzubewahren und dann alle auf einmal auszuliefern. Da viele Japaner locker 200 – 300 Karten schreiben, muss dazu die japanische Post regelmäßig Sonderschichten schieben und stellt auch viele Studenten und Schüler als Unterstützung der regulären Angestellten ein. Das für uns etwas Bizarre an der Sache ist, dass auf allen Karten stets der gleiche Spruch steht: „Sie haben mir letztes Jahr sehr viel geholfen. Bitte seien Sie auch dieses Jahr wieder wohlwollend zu mir. “ Da natürlich kein Mensch (selbst nicht die disziplinierten Japanern) Lust hat, 300 Mal diesen Spruch zu schreiben, drucken die meisten ihre Karten mittlerweile mit dem Computer aus und ergänzen nur die Adresse. Man schreibt also buchstäblich mehrere 100mal dieselbe Karte, nur um  dann am 01.01. – Überraschung!! – mehrere 100 identische Grüße zu erhalten… Obwohl ich selbstverständlich darauf brenne, mich solchen exotischen Gepflogenheiten anzuschließen, kam leider letztes Jahr die dringende Verpflichtung dazwischen, meine Socken farblich zu sortieren (Hust hust… ;-)) und so habe ich im Eifer des Gefechts doch glatt meine Kärtchen „vergessen“ . Allerdings sollte ich auch sofort die Konsequenzen meines rebellischen Verhaltens spüren…

Man muss dazu nochmals daran erinnern, das in Japan, wo sich generell die Menschen mit verbalen Samthandschuhen anfassen, lustigerweise direkte Offenheit ein Zeichen großer Nähe ist. Japaner brauchen nämlich ein wenig Zeit um mit anderen Menschen, insbesondere Ausländern, warm zu werden, so ungefähr 5 – 7 Jahre. Danach werden sie aber oft sogar noch ehrlicher und direkter als es sich beispielsweise Deutsche untereinander erlauben würden. Bisher gibt es nur wenige Japaner, die sich mir gegenüber eine solche Offenheit erlauben, aber einer von ihnen ist der Sohn einer meiner ersten Gastfamilien in Ishikawa. Von ihm bekomme ich regelmäßig Sprüche zu hören à la: „BOOOOAAAHH, also jetzt schau dir mal an, wie du schon wieder deine Stäbchen hältst! Wie lange lebst du jetzt schon in Japan??“ oder „Also Mutter sagt ja immer, was für einen schlechten Männergeschmack du hast. Immer schaust du nur aufs Aussehen! Also so findest du NIE einen anständigen Mann!“ (natürlich meint er damit, ich solle doch bitte mehr auf die inneren Werten = den Inhalt des Geldbeutels achten, damit mich mein Zukünftiger auch als Hausfrau anständig versorgen kann). Letztendlich bin ich jedoch durchaus dankbar, dass ich zumindest von einigen Japanern ehrliches Feedback bekomme, da sich die meisten in meinem direkten Umfeld kaum trauen, mich auf meine Faux-Pas aufmerksam zu machen. Denn gerade in einem kulturell so komplexen Land wie Japan wähnt man sich oft nicht mal in Nähe eines Fettnäpfchen, während man tatsächlich in totaler Unwissenheit sozusagen seine Bahnen in der Großkantinenfritteuse zieht…

Jedenfalls war mein Gastbruder so freundlich, mich auf meinen Fehltritt aufmerksam zu machen („Wo ist eigentlich letztes Jahr deine Neujahreskarte geblieben? Also MEINE hast du ganz klar vergessen. Wollte das nur mal so sagen.“), weshalb ich also sehr reumütig diesen Dezember wieder meine Dankessprüche massenproduzieren werde… Vielleicht werde ich ganz extravagant hier und da einen individualisierten Satz dazu schreiben…

Hach, ist wieder schön, zu Hause in Japan zu sein. Woanders würde ich wohl doch nur langweilen. 😉

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