Post vom Gaswerk

Am Samstag habe ich überraschend ein Einschreiben von einer meiner Lieblingsfirmen in Japan, vom Gaswerk Tokyo, bekommen. Zur Erinnerung, das Gaswerk Tokyo war das Unternehmen, welches nach 15 Minuten einen ihrer Installateure schickte, als bei mir das Warmwasser nicht funktionierte. Jedenfalls bekam ich folgenden Brief:

Sehr geehrter Kunde,

vielen herzlichen Dank, dass Sie unserer bescheidenen Firma immer so wohl gesonnen sind. Wir möchten uns auch nochmals dafür bedanken, dass Sie immer unseren Service benutzen und hoffen, dass alles zu Ihrer Zufriedenheit ist.

Außerdem würden wir Sie gerne darüber informieren, dass ab Oktober Ihre Zahlungen automatisch über Kontoabbuchung überwiesen werden. Herzlichen Dank, dass Sie uns die Arbeit dadurch erleichtern und uns Ihre Daten dazu übermittelt haben.

Es könnte sein, dass eine Ihrer Zahlungen vom Vormonat noch nicht bei uns eingegangen ist. Es ist natürlich möglich, dass wir diese nur noch nicht verbucht haben – in diesem Fall entschuldigen wir uns für die Umstände und selbstverständlich ist dieses Schreiben als nichtig zu erachten – aber sollten Sie die Zahlung von letzten Monat noch nicht überwiesen haben, würden wir Sie gerne höflich bitten, dies doch bitte zu tun.

Falls Sie es zeitlich nicht einrichten können, die Überweisung bis Oktober auszuführen, erlauben wir uns, diese dann automatisch mit einer Zusatzgebühr von 33 Yen (dies entspricht einem ungefähren Tagessatz von 0.03%) einzuziehen.

Entschuldigen Sie die Umstände in einer Zeit, in der Sie sicher sehr beschäftigt sind und wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Hochachtungsvoll

Ihr Gaswerk Tokyo

Bis ich mich mal durch die ganzen Höflichkeitsfloskeln gearbeitet und geschnallt hatte, dass es sich dabei um eine Mahnung handelt, hat es schon eine ganze Weile gedauert. Lustig finde ich auch, dass Sie überhaupt den Aufwand betreiben, mir so einen Brief per Einschreiben zu schicken, obwohl schlimmstenfalls für mich eine Gebühr von 33 Yen (ca. 25 Cent) anfallen würde. Ja, die Japaner.

Zum Vergleich: In Deutschland würde der Text wohl in etwa so lauten:

„Bitte überwiesen Sie schnellst möglichst den ausstehenden Betrag X. Sie erhalten nur diese eine Mahnung und falls die Zahlung nicht bis Y.Y.2009 eingehen sollte, behalten wir es uns vor, gerichtliche Schritte einzuleiten“.

😉

Apropos Höflichkeit, eine meiner Kolleginnen hat letzte Woche in dieser Kategorie nochmals den Vogel abgeschossen. Sie hatte ein Baby bekommen und von uns einige Glückwunschemails erhalten. In ihrer Antwort schrieb Sie dann: „Diese problemlose Geburt war nur dank Eurer großzügigen und warmherzigen Unterstützung möglich!“. In Japan ist halt alles Teamwork…

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Steffi
    Sep 15, 2009 @ 16:37:39

    Und ich dachte, die Mahnung wäre schon super (Neid auf diese Höflichkeit), aber die Kollegin finde ich noch besser. Oder eigentlich Dich und Deine Kollegen. Es klingt ja fast so, als hättet ihr beim tatsächlichen rausquetschen des neuen Erdenbürgers tatkräftig mitgeholfen – so als Wehenteam oder so. Hut ab! Neulich hat eine Freundin auch ein Baby bekommen, die hat sich bei mir allerdings nicht dafür bedankt, dass ihr Kaiserschnitt dank meiner puren freundlichen Existenz so problemlos verlaufen ist. Da sollte ich wohl nochmal ein ernstes Wörtchen mit ihr reden, denn so geht’s ja nicht! Wenn man das japanische Vorbild vor Augen gehalten bekommt, fühlt man sich regelrecht misachtet! Vielen Dank, dass Du uns allen immer wieder vorführst, wie freundlich und menschlich man doch miteinander umgehen kann 🙂

    Antwort

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