Der Feind in meinem Hörsaal

Heute hatte ich mal wieder einen Vortrag an der Universität Yokohama. Diesmal sollte ich Studenten der Maschinenbaufakultät darüber erzählen, was ich bisher so gemacht habe und welche Aspekte ich heutzutage im Berufsleben als wichtig ansehe. Ich habe dann ein wenig von meiner bisherigen Auslandserfahrung berichtet und wie wichtig ich es finde eine internationale Ausrichtung zu haben, z.B. Englisch zu sprechen. Wie gewohnt in Japan war allerdings die Diskussion im Anschluß etwas träge, weil sich kaum Studenten zu Wort gemeldet haben. Waren wohl alle etwas schüchtern. Der Professor, welcher mich eingeladen hatte, meinte am Ende, dass der wichtigste Grund für meine Vorlesung sei, dass den Studenten klar werde mit wem sie in einigen Jahren direkt konkurrieren müssen. Sozusagen als Beispiel, was der Feind so treibt. Dann kann man nämlich seine Gegenangriffsstrategie planen. 🙂 Einer der anderen Professoren, welcher sich auch meinen Vortrag angehört hatte, fragte mich am Ende mit etwas besorgtem Unterton, wieviel Prozent der Deutschen denn so „wären wie ich“. Da konnte ich ihn beruhigen, dass nicht allzu viele Verrückte meiner Sorte in Europa rumlaufen…

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Xiaoi
    Dez 12, 2008 @ 21:12:33

    Ich finde Japan hat alle Gründe über die Wettbewerbsfähgkeit des Land in der Zukunft besorgt zu sein.

    Die politische Apathie der Jugend gepeinigt durch ein rigides Bildungssystem, eine ständig wechselnde Regierung gestellt von profillosen Parteien ohne klare Visionen, eine überaltete Gesellschaft bar jeglicher Mut zum sozialen Fortschritt, eine Konglomeratwirtschaft, die noch an der 90er Rezession nagt und jetzt durch die Weltwirtschaftskrise ihre Vorzeigeunternehmen beraubt wird. Und dann noch regional überall aufstrebende Nationen, die sich wetteifern, Japan an Dynamik zu überstrahlen.

    Beispielhaft wie der Mann, der letztens eine Mangafigur heiraten wollte, steckt Japan schon länger in einer kranken Identitätskrise. Das Land braucht einen eigenen Obama, ganz dringend. Aber wo sollte so ein Mr. Change herkommen?

    Ein ziemlich negatives Bild, was ich da von Japan male. Dabei mag ich das Land. Aber ich komme nicht umhin zu denken, dass Japans Katalogimage als überdrehtes technisches Wunderland und exotische Schönheitskönigin mit fast fetischem Hang zur überschwänglichen Traditionspflege, die wahren Probleme des Landes geschickt verschleiert. Vielleicht sollen diese aber auch absichtlich verdrängt werden. The japanese way of „yes, we can.“ ?

    Antwort

  2. Xiaoi
    Dez 12, 2008 @ 21:37:18

    Ach ja, passend zum Thema 🙂

    Hab ich eben zufällig gelesen.

    http://www.japantimes.co.jp/cgi-bin/fl20081125zg.html

    Antwort

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