Sprechende Papageien

Manche behaupten, das sich unter Japanophilen eine ueberdurchschnittlich hohe Anzahl an geistig labilen Menschen befindet. Diese scheinen sich besonders von dieser Kultur angezogen zu fuehlen, in welcher jeder einen grossen Wert auf die Achtung der Gefuehle des anderen legt und nicht nach westlicher Art gleich direkt draufhaut, wann immer es geht… Ob an dieser Theorie was dran ist oder nicht, kann ich so nicht sagen, ich wuerde mich aber mal spontan nicht zu der psychisch labilen Menschen zaehlen. Was man allerdings wirklich zugeben muss ist die Tatsache, das so ein Japanaufenthalt immer viele Streicheleinheiten fuer das Selbstbewusstsein bereithaelt, insbesondere wenn man ein Japanneuling mit ersten rudimentaeren Sprachkenntnissen ist. Dann muss man naemlich nur ein kurzes „Hai“ oder „Konnichi wa“ (Guten Tag) von sich geben und man wird mit Komplimenten nur so ueberschuettet, wie hervorragend man doch Japanisch spraeche. In diesen Komplimenten kann man sich dann noch lange, lange Zeit suhlen bis eines Tages etwas Interessantes passiert: wenn man naemlich wirklich einen Punkt erreicht an, an dem man passabel Japanisch spricht, wird das den Japanern unheimlich. Dann rutscht dem einen oder anderen statt eines Kompliments doch auch mal ein „Kowai!“ (Das macht mir Angst!) oder „Abunai!“ (Gefaehrlich!) heraus. Dies haengt damit zusammen, dass man hier als Auslaender natuerlich in gewisser Weise wie ein sehr exotisches Wesen wahrgenommen wird, aehnlich wie z.B. ein Papagei. Man ist bunt und lustig und manchmal kriegt man sogar ein Wort heraus! Dann wird der Papagei auch gelobt, man sagt ihm „Gut gemacht“ und was fuer ein schlauer Vogel er doch waere. Falls sich jetzt der Papagei aber doch etwas differenzierter ausdrueckt und sagen wir mal, etwa fluessig ueber die Unterschiede des asiatischen und europaeischen Management parliert, dann wird es den Leuten so langsam unheimlich… Schoen fand ich diese Woche das Kommentar einer meiner Kolleginnen, die mich einem anderen Mitarbeiter vorgestellt hat mit den Worten: „Sie kann sprechen!“ Und wer kann das schon von sich behaupten, einen SPRECHENDEN Auslaender bei sich im Buero zu haben, das ist natuerlich schon eine Attraktion! Der besagte Mitarbeiter hat sich uebrigens zuerst gewehrt und wollte nicht, dass man mich ihm vorstellt, weil er Angst hatte vor mir oder zumindest der Vorstellung, jetzt Englisch reden zu muessen. Ein anderer Kollege fragte mich, WARUM ich denn Japanisch spreche. Dass ein Auslaender seine Sprache beherrscht, schien ihm so abwegig, dass sich dahinter ja ein ganz bizarrer Grund verstecken muss.

Aber den mit Abstand besten Spruch brachte eine Arbeitskollegin diese Woche. Wir diskutierten, warum mir mein Vermieter nicht richtig erklaert hatte, wie ich den Muell zu trennen habe, sondern nur gemeint hat, ich soll ihn einfach so rausstellen. Ich vermutete, dass es wohl deshalb sei, weil er dachte ich als Auslaenderin wuerde das System nicht verstehen. Da meinte meine Kollegin: „Ach ja klar, du siehst ja aus wie eine Auslaenderin… “ Tja, ich bin eben ein geschickt als Papagei verkleideter Undercover-Agent. 🙂

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Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Rüdi
    Mrz 09, 2008 @ 09:12:21

    Lina, am Anfang hab ich ja gedacht mir wärs egal, ob du auf Deutsch oder Englisch schreibst, aber je mehr ich lese umso besser finde ich Deutsch. Du solltest dir ein zweites Standbein als Schriftstellerin aufmachen. Suuuuper Wortwitz! Weiter so!

    Antwort

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